Ein Foto leuchtet am Bildschirm in kräftigem Grün und Orange, gedruckt wirkt es plötzlich stumpf und flau. Der Grund ist fast nie ein Fehler der Druckerei, sondern der Farbraum. Monitore und Kameras arbeiten mit RGB, die Druckmaschine mit CMYK. Wer den Unterschied kennt und Bilder richtig umwandelt, bekommt vorhersehbare Druckergebnisse. Hier steht, wie beide Systeme funktionieren, welche Farbprofile für welches Papier passen und wie die Umwandlung in Photoshop Schritt für Schritt gelingt.

RGB: Farben aus Licht

RGB steht für Rot, Grün und Blau. Ein Monitor, ein Smartphone-Display oder ein Fernseher erzeugt jede Farbe, indem er diese drei Lichtfarben in unterschiedlicher Stärke mischt. Das nennt man additive Farbmischung: Je mehr Licht hinzukommt, desto heller wird die Farbe. Alle drei Kanäle mit voller Stärke ergeben Weiß, alle drei aus ergeben Schwarz.

Auch Digitalkameras und Scanner speichern Bilder in RGB. Bei 8 Bit pro Kanal kennt jeder Kanal 256 Stufen (0 bis 255). Daraus ergeben sich 256 × 256 × 256 = 16.777.216 mögliche Farbtöne, oft „True Color“ genannt. Kameras im RAW-Modus arbeiten sogar mit 12 oder 14 Bit pro Kanal.

CMYK: Farben aus Druckfarbe

Im Offsetdruck gibt es kein Licht, sondern Farbe auf weißem Papier. Jede Druckfarbe schluckt einen Teil des Lichts, das vom Papier zurückgeworfen wird. Diese subtraktive Farbmischung arbeitet mit vier Farben:

  • C – Cyan
  • M – Magenta
  • Y – Yellow (Gelb)
  • K – Key, die Schwarzplatte

Das „K“ wird oft als „Black“ gedeutet, um eine Verwechslung mit Blau zu vermeiden. Ursprünglich steht es für die Key-Platte, an der die übrigen Farben im Druck ausgerichtet werden. Schwarz ist nötig, weil Cyan, Magenta und Gelb übereinander nur ein schmutziges Dunkelbraun ergeben und viel Farbe auf das Papier bringen würden.

Der Farbumfang: Warum nicht jede Farbe druckbar ist

Die Menge aller Farben, die ein Gerät darstellen kann, heißt Farbumfang oder Gamut. Der RGB-Farbraum eines Monitors ist deutlich größer als der CMYK-Farbraum einer Offsetmaschine. Besonders betroffen sind:

  • leuchtendes Grün, etwa Neon- oder Signalgrün,
  • kräftiges Orange,
  • gesättigtes Blau und Violett,
  • sehr helle, gesättigte Pastelltöne.

Diese Farben werden bei der Umwandlung auf den nächstgelegenen druckbaren Ton gesetzt. Das Ergebnis wirkt matter. Auf ungestrichenem Naturpapier ist der Farbumfang noch kleiner als auf glattem Bilderdruckpapier, weil die Farbe stärker ins Papier wegschlägt.

Farbprofile: die Übersetzungstabelle zwischen den Welten

Ein Farbprofil beschreibt, wie Farbwerte auf einem bestimmten Gerät oder Papier aussehen. Erst damit lässt sich RGB sinnvoll in CMYK umrechnen. In Europa sind vor allem die Profile der European Color Initiative (ECI) üblich:

Einsatz Profil Hinweis
Web, Smartphone, einfache Kameras sRGB kleiner RGB-Farbraum, Standard im Internet
Fotografie, Bildbearbeitung Adobe RGB (1998) größerer Farbraum, besonders im Grün-Cyan-Bereich
Offset auf gestrichenem Papier PSO Coated v3 (FOGRA51) aktueller Standard, Nachfolger von ISO Coated v2 (FOGRA39)
Offset auf Naturpapier PSO Uncoated v3 (FOGRA52) für ungestrichene Papiere wie Briefbogen oder Recyclingpapier

Viele Druckereien arbeiten noch mit ISO Coated v2. Welches Profil gewünscht ist, steht in den Datenblättern der Druckerei. Im Zweifel lohnt eine kurze Nachfrage vor dem Umwandeln.

Rendering Intent: wie umgerechnet wird

Beim Umwandeln entscheidet die sogenannte Priorität (Rendering Intent), wie mit Farben außerhalb des Zielfarbraums umgegangen wird:

  • Perzeptiv: Der gesamte Farbumfang wird gestaucht, die Abstände zwischen den Farben bleiben erhalten. Gut für Fotos mit vielen gesättigten Tönen, weil Verläufe nicht abreißen.
  • Relativ farbmetrisch: Druckbare Farben bleiben exakt, nur Farben außerhalb des Gamuts werden auf den Rand gesetzt. Zusammen mit der Option Tiefenkompensierung ist das für die meisten Bilder die sicherste Wahl.

Gesamtfarbauftrag und Schwarz

Die Summe der vier Farbwerte an einer Stelle heißt Gesamtfarbauftrag. Theoretisch sind 400 Prozent möglich, in der Praxis trocknet so viel Farbe nicht und schlägt auf den nächsten Bogen ab. Für gestrichenes Papier gelten etwa 300 bis 330 Prozent als Obergrenze, für Naturpapier eher weniger. Die ECI-Profile halten diese Grenze bei der Umwandlung automatisch ein.

Bei Schwarz gibt es zwei Fälle:

  • Text und feine Linien: nur 100 % K, ohne Anteile von C, M und Y. Sonst entstehen bei kleinsten Passerschwankungen farbige Ränder.
  • Große schwarze Flächen: ein Tiefschwarz, zum Beispiel C60 M40 Y40 K100. Reines K wirkt auf großen Flächen eher dunkelgrau.

Reines RGB-Schwarz (0/0/0) wird bei der Umwandlung oft zu einem Vierfarbschwarz mit über 300 Prozent. Für Text ist das ungeeignet, deshalb sollten Logos und Schriften als Vektoren direkt in CMYK angelegt werden. Wie Schriften für den Druck vorbereitet werden, steht im Beitrag Schriften in Kurven umwandeln.

Bilder in Photoshop richtig umwandeln

  1. Eine Kopie des RGB-Originals sichern. Die Umwandlung lässt sich nicht verlustfrei rückgängig machen.
  2. Unter Bearbeiten > Profil zuweisen prüfen, welches RGB-Profil das Bild hat. Fehlt eines, ist meist sRGB richtig.
  3. Ansicht > Proof einrichten > Benutzerdefiniert wählen und das Druckprofil der Druckerei einstellen. Mit Strg+Y (Mac: Cmd+Y) lässt sich der Softproof ein- und ausschalten.
  4. Ansicht > Farbumfang-Warnung aktivieren. Grau markierte Bereiche sind nicht druckbar und lassen sich gezielt mit Farbton/Sättigung entsättigen.
  5. Bearbeiten > In Profil umwandeln aufrufen, als Zielprofil das Druckprofil wählen, Priorität „Relativ farbmetrisch“ oder „Perzeptiv“, Tiefenkompensierung an.
  6. Als TIFF oder in die Layoutdatei speichern, Auflösung prüfen: 300 ppi in Endgröße. Details dazu im Artikel über die richtige Auflösung.

Sonderfarben: wenn CMYK nicht reicht

Manche Farben lassen sich mit vier Prozessfarben grundsätzlich nicht treffen, etwa ein leuchtendes Orange im Firmenlogo, Neonfarben oder Metallictöne wie Gold und Silber. Dafür gibt es Sonderfarben, die fertig gemischt als eigene, fünfte Farbe gedruckt werden. Verbreitet sind die Farbfächer von Pantone und in Deutschland HKS. Sonderfarben verteuern den Druck, weil eine zusätzliche Druckplatte nötig ist, lohnen sich aber bei Geschäftsausstattung mit fester Hausfarbe. In der Datei werden sie als Volltonfarbe angelegt und nicht in CMYK umgewandelt.

PDF/X-4: RGB darf bleiben

Viele Druckereien nehmen heute PDF/X-4 an. Dieser Standard erlaubt RGB-Bilder, wenn im PDF eine Ausgabebedingung (Output Intent) mit dem Druckprofil hinterlegt ist. Die Umrechnung übernimmt dann der Workflow der Druckerei. Bei PDF/X-1a dagegen muss alles bereits in CMYK vorliegen. Wer die Kontrolle über die Farbwirkung behalten will, wandelt kritische Bilder selbst um und prüft sie im Softproof.

Häufige Fehler

  • Bilder ohne Profil oder mit falschem Profil abgeben.
  • Für Naturpapier mit einem Profil für gestrichenes Papier umwandeln: Bilder laufen zu und werden zu dunkel.
  • Schwarzen Text in RGB anlegen, der zu Vierfarbschwarz wird.
  • Den Bildschirm für verbindlich halten. Ohne kalibrierten Monitor zeigt auch der Softproof nur eine Näherung.
  • Leuchtende Markenfarben in CMYK erwarten. Hier hilft nur eine Sonderfarbe, etwa aus dem Pantone- oder HKS-System.

Häufige Fragen

Kann man RGB-Dateien einfach an die Druckerei schicken?

Bei PDF/X-4 mit Ausgabebedingung oft ja. Die Druckerei rechnet dann selbst um, das Ergebnis lässt sich aber nicht vorher prüfen. Sicherer ist die eigene Umwandlung mit Softproof.

Welches CMYK-Profil ist das richtige?

Für gestrichenes Papier im Offsetdruck PSO Coated v3 oder das ältere ISO Coated v2, für Naturpapier PSO Uncoated v3. Maßgeblich ist die Vorgabe der Druckerei.

Warum sieht das Bild nach der Umwandlung blasser aus?

Weil CMYK weniger Farben darstellen kann als ein Monitor. Leuchtende Grün-, Orange- und Blautöne werden auf druckbare Werte reduziert. Der Softproof zeigt das schon vorher.

Ist mehr als 8 Bit pro Kanal sinnvoll?

Für die Bearbeitung ja, 16 Bit vermeiden Abrisse in Verläufen. Für die Druckdatei reichen 8 Bit pro Kanal.