Beim Erstellen einer Druckvorlage verdienen die verwendeten Schriften besondere Aufmerksamkeit. Fehlt der Druckerei eine Schrift, ersetzt die Software sie durch eine andere – und aus der sorgfältig gestalteten Visitenkarte wird ein Zufallsprodukt. Die klassische Absicherung heißt Schriften in Kurven umwandeln, je nach Programm auch „in Pfade“, „in Zeichenwege“ oder „in Konturen“. Hier steht, wann das nötig ist, wann das Einbetten die bessere Wahl ist und wie es in den gängigen Programmen funktioniert.
Warum Schriften in Druckdaten Probleme machen
Schriften können beim Austausch von Druckdaten zu unerwarteten Änderungen im Layout und Erscheinungsbild führen. Es existieren zehntausende Schriftarten, die sich nicht nur im Aussehen, sondern auch in Namen und Versionen unterscheiden. Beispiele sind Helvetica, Helvetica Neue oder Arial, die sich in verschiedenen Systemen unterschiedlich darstellen.
Wenn eine Druckerei oder ein Dienstleister eine verwendete Schrift nicht besitzt, wird die Schrift oft automatisch durch eine andere ersetzt. Ersatzschriften verändern Schriftbild, Laufweite und Zeilenumbruch; nicht selten springt eine Schreibmaschinenschrift wie Courier ein, die das Layout vollständig zerstört. Hinzu kommt, dass ein und dieselbe Schrift je nach Hersteller und Version unter verschiedenen Namen im Umlauf ist – eine Druckerei kann unmöglich jede Variante installiert haben.
Zur Vermeidung dieser Probleme gibt es zwei praktikable Lösungen: Schriften vollständig in ein PDF einbetten oder Schriften in Pfade (Kurven) umwandeln. Beide Ansätze haben Vorteile und Einschränkungen, die je nach Anwendung abgewogen werden müssen.
Einbetten oder umwandeln?
Moderne PDF/X-Standards regeln Fachfragen beim Austausch von Druckdaten. PDF/X-1a, PDF/X-3 und PDF/X-4 verlangen eingebettete Schriften. Ein korrekt erzeugtes PDF/X-4 ist die heute übliche Lösung für druckfertige Dateien, da es Transparenzen unterstützt und eingebettete Schriften beibehält.
Das Umwandeln von Schriften in Pfade ist in spezifischen Situationen sinnvoll. Dazu zählen Logos, Headlines, die als Grafik eingebettet werden sollen, Dateien im EPS/AI/SVG-Format, Vorbereitung für Plotter oder Laserschnitt und Fälle, in denen die Schriftlizenz das Einbetten nicht erlaubt.
Die Umwandlung hat aber Nachteile. Nach dem Konvertieren sind Texte nicht mehr als Text bearbeitbar. Korrekturläufe können nicht mehr mit regulären Textwerkzeugen erfolgen. Das Hinting geht verloren, also die in der Schrift gespeicherten Anweisungen für eine saubere Darstellung bei kleinen Größen. Sehr kleine Schriftgrößen, etwa unter ca. 6 pt, können durch die Umwandlung etwas fetter wirken. Außerdem können Dateien größer werden. Wichtige Funktionen wie Barrierefreiheit und die Möglichkeit, Text zu durchsuchen, entfallen bei in Konturen umgewandeltem Text.
So geht es in den gängigen Programmen
Adobe Illustrator
In Adobe Illustrator funktioniert die Umwandlung schnell: Text auswählen und über Schrift > In Pfade umwandeln konvertieren. Die Tastenkombination lautet Strg+Umschalt+O beziehungsweise Cmd+Shift+O auf dem Mac.
Tipp: Mit Auswahl > Objekt > Alle Textobjekte lassen sich vorher sämtliche Texte eines Dokuments auf einmal markieren. Nach der Umwandlung existiert der Text als Vektorpfad und lässt sich nicht mehr mit Textwerkzeugen ändern.
Adobe InDesign
InDesign bietet ebenfalls einen Befehl: Text markieren und Schrift > In Pfade umwandeln (Strg+Umschalt+O). Für ganze Dokumente ist dies jedoch oft nicht die beste Lösung.
Für druckfertige InDesign-Dateien ist stattdessen das Erstellen eines PDF/X-4 mit eingebetteten Schriften empfehlenswert. Alternativ kann beim Export eine Transparenzreduzierungsvorgabe gewählt werden, die die Option „Gesamten Text in Pfade umwandeln“ enthält. Diese Vorgehensweise eignet sich, wenn viele grafische Elemente mit Text kombiniert werden und das Ergebnis als Vektor vorliegen soll.
Affinity Designer/Publisher
Bei Affinity erfolgt die Konvertierung über Ebene > In Kurven konvertieren. Die Tastenkombination ist Strg+Enter. Dieser Befehl wandelt ausgewählten Text in Kurven um und erhält dabei die optische Gestaltung als Vektorpfad.
Auch hier gilt: Arbeitsdatei sichern, bevor die Umwandlung erfolgt, da die Rückkehr zum editierbaren Text sonst nicht möglich ist.
CorelDRAW
CorelDRAW nutzt Objekt > In Kurven konvertieren mit der Tastenkombination Strg+Q. Das Ergebnis sind Kurvenobjekte, die sich wie jede Vektorgrafik bearbeiten lassen – ideal für Schneideplotter und Beschriftungsfolien.
Nach der Umwandlung können Konturen und Füllungen bearbeitet werden, Textänderungen sind jedoch nicht mehr möglich.
Acrobat Pro
In Acrobat Pro ist eine nachträgliche Umwandlung möglich: Mit der Preflight-Korrektur „Schriften in Konturen umwandeln“ lassen sich in bestehenden PDFs alle Schriften in Pfade konvertieren. Das ist praktisch, wenn nur eine fertige PDF-Datei vorliegt und keine Originalquelle mehr bearbeitet werden kann.
Vor dem Einsatz von Preflight die PDF-Version und vorhandene eingebettete Fonts prüfen. Nach der Korrektur muss kontrolliert werden, ob alle Schriften vollständig konvertiert wurden und ob Transparenzen oder Überdrucken korrekt erhalten sind.
Richtig vorgehen
- Sicherung der Arbeitsdatei: Erst die Originaldatei speichern, bevor Änderungen vorgenommen werden. Eine Kopie für den Druck anlegen, damit die editierbare Arbeitsdatei erhalten bleibt.
- Rechtschreibung prüfen: Vor dem Konvertieren sämtliche Texte einer Rechtschreibprüfung unterziehen. Korrekturen sind nach der Umwandlung nur mit größerem Aufwand möglich.
- Konturen und Effekte kontrollieren: Vorhandene Konturen, Schlagschatten, Transparenzen und Effekte überprüfen. Einige Effekte können sich nach der Umwandlung anders verhalten oder müssen in Kurven umgewandelt werden.
- Textbereiche prüfen: Sicherstellen, dass keine Texte in gesperrten Ebenen, Mustern oder Gruppen übersehen werden. Solche Bereiche werden sonst nicht konvertiert und führen zu Problemen beim Druck.
- Umwandlung durchführen: Je nach Programm die genannten Befehle anwenden (siehe Abschnitt „So geht es in den gängigen Programmen“).
- Nachkontrolle: Nach der Umwandlung prüfen, ob noch Schriften eingebettet sind. In Illustrator unter Schrift > Schriftart suchen prüfen, in Acrobat die Dokumenteigenschaften > Schriften kontrollieren.
- Datei-Format für Druckausgabe wählen: Wenn möglich, ein PDF/X-4 erzeugen oder das gewünschte Zielformat, das von der Druckerei gefordert wird.
Typische Fehler
- Nur ein Teil des Textes wurde umgewandelt: Texte in verschachtelten Gruppen, Muster oder gesperrten Ebenen bleiben oft unberührt. Ergebnis ist ein Mischzustand aus Pfaden und noch vorhandenen Schriften.
- Arbeitsdatei überschrieben: Ohne Sicherung geht die editierbare Version verloren. Danach sind Textkorrekturen erheblich aufwändiger.
- Kontur um Schrift vergessen: Rahmen, Striche oder Konturen um Textobjekte können fehlen, wenn diese nicht zusätzlich umgewandelt oder überprüft werden.
- Schriftlizenz nicht beachtet: Manche Lizenzen erlauben kein Einbetten, andere verbieten Umwandlung ohne zusätzliche Rechte. Lizenzbedingungen prüfen, bevor Schriften eingebettet oder umgewandelt werden.
Praktische Hinweise für die Druckvorstufe
Für Logos und markante Headlines empfiehlt sich oft die Umwandlung in Pfade. Dadurch besteht keine Gefahr, dass eine leicht abweichende Schrift das Markenbild verändert. Ebenso sind Pfade zwingend bei Schneide- oder Gravurarbeiten.
Bei längeren Fließtexten oder Inhalten, die später noch angepasst werden könnten, ist das Einbetten der Schriften die bessere Wahl. Eingebettete Schriften erlauben Nachbearbeitungen, Suchfunktionen und erhalten die Barrierefreiheit von PDFs.
Bei kleinen Schriftgrößen auf dem Druckbogen ist Vorsicht geboten: Nach der Umwandlung können diese Zeichen etwas kräftiger erscheinen. Probeausdrucke oder genaues Überprüfen in der Vergrößerung helfen, unerwünschte optische Effekte zu erkennen.
Besondere Situationen und Empfehlungen
Bei der Weitergabe an externe Dienstleister immer die Anforderungen der Druckerei erfragen. Manche setzen strikt auf PDF/X-4 mit eingebetteten Schriften, andere bevorzugen Pfade für bestimmte Elemente.
Wenn Schriftlizenzen das Einbetten verbieten, muss zwangsläufig in Pfade umgewandelt werden oder alternative lizenzierte Schriften eingesetzt werden. Lizenzbedingungen dokumentieren und gegebenenfalls Nachweise beilegen.
Häufige Fragen
Wann ist das Einbetten von Schriften besser als das Umwandeln?
Bei Fließtexten, Dokumenten mit möglicher Nachbearbeitung oder wenn Barrierefreiheit und Durchsuchbarkeit erhalten bleiben sollen, ist Einbetten die bessere Option.
Wann unbedingt in Pfade umwandeln?
Bei Logos, Headlines als Grafik, Dateien für Plotter und Laserschnitt oder wenn die Lizenz das Einbetten verbietet, ist Umwandeln erforderlich.
Wie lässt sich prüfen, ob noch Schriften in der Datei enthalten sind?
In Illustrator über Schrift > Schriftart suchen und in Acrobat über Dokumenteigenschaften > Schriften. Diese Prüfungen zeigen alle noch vorhandenen Schriften an.
Was unbedingt vor dem Umwandeln erledigen?
Arbeitsdatei sichern, Rechtschreibung prüfen, alle Texte und Effekte kontrollieren sowie gesperrte Ebenen auf enthaltene Texte prüfen.