Visitenkarten sind klein, aber oft der erste greifbare Eindruck von einer Person oder einem Unternehmen. Eine gut gemachte Karte ist schnell lesbar, fühlt sich wertig an und enthält genau die Angaben, die das Gegenüber braucht. Dieser Beitrag erklärt, woher die Visitenkarte kommt, welche Formate üblich sind, wie Druckdaten richtig angelegt werden und welche Papiere und Veredelungen es gibt.

Von der Besuchskarte zur Geschäftskarte

Der Name verrät die Herkunft: Die Visitenkarte war ursprünglich eine Besuchskarte für die Visite. Im 18. und 19. Jahrhundert gaben Besucher in bürgerlichen und adligen Häusern ihre Karte an der Tür beim Diener oder der Hausdame ab, die den Gast beim Hausherrn oder der Dame des Hauses ankündigten.

Die Karten wurden dabei nach festen Regeln geknickt. Eine umgeknickte Ecke zeigte zum Beispiel, dass der Besucher die Karte persönlich abgegeben hatte, auch wenn niemand zu Hause war. Teilweise standen in den vier Ecken Anlässe wie „Besuch“ oder „Wiedersehen“, und die geknickte Ecke zeigte den Grund an. Heute gilt eine geknickte Karte dagegen als unhöflich.

Visitenkarten in Japan

Besonders gepflegt wird die Kartenkultur in Japan. Die Meishi wird mit beiden Händen und einer leichten Verbeugung überreicht, die Schrift zum Empfänger gedreht. Meist übergibt der Ältere oder Ranghöhere zuerst. Wer eine Karte erhält, betrachtet sie aufmerksam und legt sie während des Gesprächs sichtbar auf den Tisch. Die Karte sofort einzustecken oder darauf zu schreiben, gilt als respektlos.

Etikette in Deutschland

Hierzulande geht es lockerer zu. Die Karte wird meist bei der Vorstellung oder am Ende eines Gesprächs übergeben, gern mit einem kurzen Satz wie „Falls Fragen aufkommen, hier sind meine Kontaktdaten.“ Ein paar Regeln gelten trotzdem: saubere, ungeknickte Karten in einem Etui statt lose in der Hosentasche, nicht ungefragt an jeden verteilen und eine erhaltene Karte kurz ansehen, bevor sie weggesteckt wird.

Formate: 85 × 55 mm ist Standard

Ein genormtes Format wie DIN A4 beim Briefbogen gibt es für Visitenkarten nicht. Durchgesetzt haben sich Maße nahe am Scheckkartenformat:

Format Maße Verwendung
Deutscher Standard 85 × 55 mm häufigstes Format im deutschsprachigen Raum
Scheckkartenformat 85,6 × 54 mm passt in jedes Kartenfach im Portemonnaie
US-Format 3,5 × 2 Zoll (88,9 × 50,8 mm) USA und Kanada
Quadratisch z. B. 55 × 55 mm auffällig, passt aber schlecht in Kartenhalter

Für die meisten Zwecke ist 85 × 55 mm die beste Wahl, weil Etuis, Kartenhalter und Druckereivorlagen darauf ausgelegt sind. Weitere übliche Maße stehen im Beitrag über Standard-Druckformate.

Druckdaten richtig anlegen

Bei einer so kleinen Fläche fallen Fehler sofort auf. Diese Punkte gehören in jede Druckdatei:

  • Anschnitt: Hintergründe und randabfallende Bilder 2 bis 3 mm über das Endformat hinausziehen. Eine Karte mit 85 × 55 mm wird also mit 89 × 59 mm (bei 2 mm) angelegt. Warum das nötig ist, erklärt der Artikel zu Anschnitt und Beschnitt.
  • Sicherheitsabstand: Text und Logo mindestens 3 bis 5 mm vom Rand entfernt halten, damit beim Schneiden nichts abgeschnitten wird.
  • Farbmodus CMYK: Bilder und Farben im Druckfarbraum anlegen. Mehr dazu unter Farbraum RGB vs. CMYK.
  • Auflösung: Fotos und Pixelgrafiken mit 300 ppi in Endgröße, Logos am besten als Vektorgrafik.
  • Schriften: einbetten oder in Pfade umwandeln, damit beim Drucken keine Ersatzschrift erscheint.
  • Schwarzer Text: in 100 % K anlegen, nicht als Vierfarbschwarz, sonst entstehen bei kleiner Schrift farbige Säume.

Was auf die Karte gehört

Gesetzliche Pflichtangaben wie bei Geschäftsbriefen gibt es für Visitenkarten nicht. Bewährt haben sich:

  • Vor- und Nachname, ggf. akademischer Titel
  • Funktion oder Position im Unternehmen
  • Firmenname und Logo
  • Telefonnummer, bei Bedarf Mobilnummer
  • E-Mail-Adresse
  • Website
  • Geschäftsadresse

Optional ist ein QR-Code, der eine vCard mit allen Kontaktdaten enthält. So lassen sich die Daten mit dem Smartphone direkt ins Adressbuch übernehmen. Der Code sollte mindestens etwa 2 × 2 cm groß sein und vor dem Druck mit mehreren Geräten getestet werden. Weniger ist auf der Karte meist mehr: Lieber eine Telefonnummer weglassen als alles in 6-pt-Schrift zu quetschen.

Gestaltung und Typografie

  • Schriftgröße: mindestens 7 bis 8 pt für Kontaktdaten, Name etwas größer.
  • Schriftarten: höchstens zwei, besser eine Schrift in verschiedenen Schnitten.
  • Kontrast: dunkle Schrift auf hellem Grund ist am besten lesbar. Dünne helle Schrift auf dunklem Grund läuft im Druck leicht zu.
  • Rückseite: nutzen für Logo, Leistungen, einen Terminplaner oder freie Fläche für Notizen.
  • Hierarchie: Name und Firma zuerst ins Auge, Kontaktdaten ruhig darunter.

Papier und Veredelung

Die Haptik entscheidet mit, wie wertig eine Karte wirkt. Üblich sind Papierstärken von 300 bis 400 g/m². Unter 300 g/m² fühlt sich die Karte dünn an, über 400 g/m² wird es zum Karton, der beim Falzen oder in Kartenhaltern stört.

Papiersorten

  • Bilderdruck matt oder glänzend: brillante Farben, glatte Oberfläche, Standard für farbige Karten.
  • Naturpapier: offene, griffige Oberfläche, gut beschreibbar, Farben wirken etwas gedeckter.
  • Recyclingpapier: für nachhaltigen Auftritt, heute in guter Qualität erhältlich.
  • Strukturpapiere: Leinen- oder Feinstruktur für einen klassischen Eindruck.

Veredelungen

  • Cellophanierung: dünne Folie, matt oder glänzend, schützt vor Abrieb und Feuchtigkeit.
  • Softtouch-Folie: samtige, fast gummiartige Oberfläche.
  • Partieller UV-Lack: hebt einzelne Elemente wie das Logo glänzend hervor.
  • Heißfolienprägung: metallische Effekte in Gold, Silber oder Kupfer.
  • Blindprägung: Relief ohne Farbe, spür- und sichtbar durch Licht und Schatten.
  • Farbschnitt: eingefärbte Kanten, gut bei sehr dicken Karten.

Sonderformen und Materialien

Neben der klassischen Papierkarte gibt es Klappkarten mit Platz für Terminnotizen, Karten mit abgerundeten Ecken, die weniger schnell verknicken, und Karten aus Kunststoff, Holz oder Metall. Kunststoffkarten sind wasserfest und langlebig, Holz und Metall wirken exklusiv, sind aber deutlich teurer und eignen sich eher für kleine Auflagen und besondere Anlässe.

Digitaldruck oder Offsetdruck?

Für kleine Auflagen bis etwa einige hundert Stück ist der Digitaldruck meist günstiger, weil keine Druckplatten belichtet werden müssen. Er eignet sich auch, wenn mehrere Mitarbeiter Karten mit gleichem Layout, aber unterschiedlichen Namen brauchen. Bei großen Auflagen spielt der Offsetdruck seine Stärken aus: Der Stückpreis sinkt deutlich, Farben sind sehr gleichmäßig, und Sonderfarben aus HKS oder Pantone lassen sich exakt drucken. Viele Veredelungen wie Heißfolienprägung oder Blindprägung sind unabhängig vom Druckverfahren möglich, brauchen aber ein eigenes Werkzeug und lohnen sich daher eher bei größeren Mengen.

Checkliste vor dem Druck

  1. Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adresse auf Tippfehler geprüft, am besten von einer zweiten Person.
  2. Endformat und Anschnitt korrekt eingerichtet.
  3. Sicherheitsabstand zum Rand eingehalten.
  4. Farben und Bilder in CMYK, schwarzer Text in 100 % K.
  5. Bilder mit 300 ppi, Logo als Vektor.
  6. Schriften eingebettet oder in Pfade umgewandelt, Schriftgröße mindestens 7 pt.
  7. QR-Code getestet, Ziel und vCard-Inhalt korrekt.
  8. Papier und Veredelung passend zur Gestaltung gewählt.
  9. Druckdatei als PDF/X nach Vorgabe der Druckerei exportiert.

Häufige Fragen

Welche Größe hat eine Visitenkarte?

In Deutschland meist 85 × 55 mm. Das Scheckkartenformat misst 85,6 × 54 mm, in den USA sind 3,5 × 2 Zoll üblich.

Welche Papierstärke ist für Visitenkarten richtig?

300 bis 400 g/m². 350 g/m² ist ein guter Mittelweg zwischen Stabilität und Handlichkeit.

Wie viel Anschnitt braucht eine Visitenkarte?

2 bis 3 mm pro Seite, je nach Druckerei. Wichtige Inhalte sollten zusätzlich 3 bis 5 mm Abstand vom Endformat haben.

Ist ein QR-Code auf der Visitenkarte sinnvoll?

Ja, wenn er eine vCard oder eine passende Kontaktseite enthält. Er ergänzt die gedruckten Angaben, ersetzt sie aber nicht.